Camino Francés 2026 - Woche 2
| Datum | Strecke | Länge | Gesamtlänge | |
| 8. | 25.05.2026 | Santo Domingo de la Calzada - Belorado | 23 km | 171 km |
| 9. | 26.05.2026 | Belorado - San Juan de Ortega | 24 km | 195 km |
| 10. | 27.05.2026 | San Juan de Ortega - Burgos | 26 km | 221 km |
| 11. | 28.05.2026 | Burgos - San Bol | 27 km | 248 km |
| 12. | 29.05.2026 | San Bol - Itero de la Vega | 25 km | 273 km |
| 13. | 30.05.2026 | Itero de la Vega - Vilalcazar de Sirga | 28 km | 301 km |
| 14. | 31.05.2026 | Vilalcazar de Sirga - Calzadilla de la Cueza | 23 km | 324 km |
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Der ständige Begleiter und seine Veränderung
25.05.2036: Santo Domingo de la Calzada - Belorado (23,0 km)
Ein erster Weckruf ertönt um 4:40 Uhr, dann noch einmal um 5:30 Uhr. Es ist einer der weißen Hähne, die im Garten der Herberge zusammen mit ein paar weißen Hühnern gehalten werden. Sie verrichten eigentlich ihren Dienst im Hühnerstall der benachbarten Kathedrale. Wenn dort beim Betreten der Kirche der Hahn kräht, bedeutet das Glück für die Person. Ich transferiere das jetzt einfach mal auf uns alle in der Herberge. Das Krähen des Hahnes ist für die meisten das Zeichen für die Vorbereitung auf den Tag. Auch in unserem mit 16 Personen belegten Raum wird es unruhig und am Ende sind wir nur noch zu Viert und können getrost das Licht anschalten. Ich gehe noch die Zähne putzen, da wird mir von Nick ein fröhliches „Moin“ entgegengebracht. Das hatten wir ihm vor zwei Tagen als kurzen Morgengruss beigebracht. Das nutzt er seitdem jedes Mal, wenn wir uns sehen.
Um 6:45 Uhr geht es los. An der Kathedrale und dem Parador vorbei verlassen wir die Stadt in Richtung Westen. Da die Sonne bekanntlich im Osten aufgeht, haben wir sie direkt im Rücken. Unsere Schatten, die ständigen und nicht abschüttelbarenden Begleiter, haben in den frühen Morgenstunden eine beträchtliche Länge - ich tippe mal auf mindesten das dreifache unserer realen Körpergröße. In Grañón erreichen wir eine bunt bemalte Mauer, steigen ein paar Treppenstufen hinauf und finden dort einen Foodtruck vor. Die lange Schlange davor schreckt uns jedoch ab und wir hoffen auf eine weitere Chance, etwas zum Frühstück zu bekommen. Es folgen auf jetzt außerdem in kurzen Abständen mehrere kleinere Gemeinden, in denen es etwas geben müsste.
Inzwischen sind wir in der Automomen Provinz Castilla y León angekommen. In Redecilla del Camino hat eine kleine Tourist-Info geöffnet. Davor versammeln sich viele Pilger und lege eine Pause ein. Drinnen kann man einen Kaffee bekommen. Frisch gebrüht aus einer Senseo-Maschine. Jörg genehmigt sich einen Kaffee und versorgt sich noch mit zwei neuen Wasserflaschen. Erst bei Kilometer 13 in Castildelgado verlassen wir kurzzeitig den Camino in Richtung N120 und lassen uns bei der ausgiebigen Pause im Hostal El Chocolatero das Frühstück schmecken. Dabei entdeckt Jörg am linken großen Zeh eine Blase. Wie konnte das bloß passieren? Er hat zwar etwas gespürt, aber nicht rechtzeitig nachgeschaut, wie wir es eigentlich immer machen. Hirschtalg drauf, so wird es gehen. Auch bei mir ist ein Zeh am linken Fuß etwas gereizt, aber noch unauffällig. Das bringt mich auf das Thema Schuhe. Man sieht an sehr vielen Füße Hoka und Altra. Oftmals sind die gewählten Schuhe aber nicht optimal. Viele Pilger knicken stark ein und benötigen eigentlich mehr Stabilität oder Einlagen in den Schuhen. Bei den Altras fällt immer wieder auf, dass die Schuhe einfach zu weit sind. Bei jedem Schritt bildet sich eine starke Falte.
Die heutige Route ist nicht ganz so attraktiv, es geht über viele Kilometer entlang einer im Bau befindlichen Autobahn und der N120, auf der sehr viele LKWs mit hohem Tempo fahren. Daher ist es eine Wohltat, hin und wieder die Straße zu verlassen. Dadurch durchlaufen wir das Dorf Viloria de Rioja. Neben der Iglesia de Nuestra Senora de la Asunción befindet sich hier auch das im 20. Jahrhundert erbeuerte Geburtshaus von Domingo de la Calzada. Vor der Kirche wurde ein Relief zum Gedenken and den Heiligen errichtet.
Zum Glück verläuft unser Weg meist etwas abseits von der Straße und durch einen Grünstreifen und Leitplanken getrennt. Auffällig ist, dass heute nur sehr wenige Fahrradpilger unterwegs sind. Bei Kilometer 18 lacht uns in Villamayor auf der anderen Straßenseite eine Bar an. Da sagen wir gerne Danke und versorgen uns mit einem kühlen Getränk. Inzwischen steht die Sonne sehr hoch und unsere Schatten werden deutlich kürzer, beginnen mit uns zu verschmelzen. Die letzten fünf Kilometer fliegen entlang der N120 dahin und wir erreichen gegen 13:00 Uhr die städtische Herberge El Corro, die wir bereits vorab gebucht haben. An der Anmeldung stehen direkt vor uns schon Marion und Uwe. Wir werden gleich zusammen eine Waschmaschine füllen und uns nachher auf die Suche nach etwas Essbaren machen. Zum Glück bekommen wir ein großräumiges Zimmer, das bisher noch nicht belegt ist. Wir können uns unsere Betten aussuchen. Nach einer Verschnaufpause und einem ersten Kaltgetränk machen wir uns bei großer Hitze auf den Weg ins Zentrum, vorbei an der Iglesia Santa Maria, wo es noch einen weiteren Stempel und auch die gemeindeigene, von Schweizern betreute Pilgerherberge gibt. An der Plaza Mayor finden wir ein Restaurant, in dem wir ein leckeres Abendessen bekommen.
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Richtige Pilger, die alles mitschleppen müssen
26.05.2026: Belorado - San Juan de Ortega (24,6 km)
Jörg und ich sind sowas von froh, dass diese Nacht vorbei ist. Wenn schon unsere Garmin-Uhren unisono anzeigen, dass der Schlafindex gerade einmal ausreichend ist, kann nur etwas faul sein. Und es war etwas faul. Wir hatten einige Mitschläfer im Zimmer, die von uns schon von der Statur als potentielle Schnarcher eingestuft wurden. Und genauso kam es dann auch. Wir erlebten ein nicht schön anzuhörendes Konzert, mehrstimmig und in vielen Akten. Hörte einer auf, fing der nächste an. Gegen 6:00 Uhr war es dann genug. Wir packen unsere Siebensachen und bereiten uns in einem bereits verlassenen Schlafraum im oberen Stockwerk auf den Tag vor.
Es ist im Vergleich zu den letzten Tagen frisch um 7:00 Uhr, als wir die Herberge verlassen. Aber es ist so angenehm für uns. Wir gehen zunächst bis Tosantos und nehmen dort in der Bar Caléndula ein kleines Frühstück ein. Heute führt uns der Camino nicht mehr so lange an einer Straße entlang, sondern wieder vermehrt durch Getreidefelder. Es werden mehrere Orte wie Villambistia mit der Ermita de San Roque oder kurz vor Villafranco Montes de Oca ein spärlicher Überrest der Ermita de de San Felices in Form eines verfallenen Turmes mit einem Rundbogenportal am Rande eines Ackers. Nach 12 Kilometern erreichen wir Villafranca. Da es für den Rest des Tagespensums keine weitere Rastmöglichkeit bietet, legen wir halt hier in der Bar Meson Alba eine ein.
Wir wollen gerade um circa 10:30 Uhr wieder aufbrechen und räumen unseren Tisch ab. In dem Moment fahren zwei schwarze Kleinbusse vor und spucken etwa 10 - 12 Menschen aus, die teilweise mit einem Credencial wedeln („Where do get my stamp?“) oder einen offensichtlich leeren Tagesrucksack auf ihrem Rücken tragen. Eine Frau starrt uns etwas länger an, als wollte sie sagen: „Schaut mal, richtige Pilger, die alles mitschleppen müssen.“ Wir machen, dass wir schnell wegkommen.
Auf der zweiten Hälfte der heutigen Strecke wird es anstrengend. Die nächsten vier Kilometer steigen wir auf rund 1150 Meter Höhe auf. Glücklicherweise verläuft der Weg hier durch überwiegend schattigen Wald. Wir sind aber nicht alleine, die sich hier hochmühen. Ein etwas beleibteres Pärchen, dass in Santo Domingo de Calzada die Betten neben uns belegte, müht sich den steilen Berg hinauf. Kurz darauf passieren wir ein Denkmal und sind der Meinung, dass wir es geschafft haben. Von wegen! Es geht zwar jetzt steil und schnurgeradeaus abwärts, aber in der Ferne erkennen wir, dass uns der helle Weg genauso steil wieder aufwärts führt. Endlich haben wir den höchsten Punkt erreicht und sehen vor uns an einem Auto eine Ansammlung von Pilgern. Hier verkauft ein freundlicher Mensch kalte Getränke, Obst und bemalte Muscheln an das vorbeiziehende Volk. Ein paar Klappstühle hat er zum Ausruhen unter schattige Bäume bereitgestellt, von denen kann sich Jörg einen sichern. Nach dem anstrengenden Anstieg eine gute Gelegenheit, einmal den Rucksack abzustellen und eine Pause einzulegen, bevor es allmählich abwärts nach San Juan de Ortega geht. Dort treffen wir gegen 13:30 Uhr an unserer Herberge ein. Es ist eine kleine, aber feine Unterkunft mit nur sieben Betten, wir bekommen ein Dreibettzimmer mit Dusche und WC für uns. Passt.
Nachdem wir uns in unserem schmalen Zimmer eingerichtet haben, nehmen wir etwas Flüssigkeit zu uns und treffen ein paar Bekannte wie Paf aus London. Viel gibt es in dem Weiler nicht zu sehen. Es bleibt nur die Besichtigung der Kirche des Klosters San Juan de Ortega mit dem Grabmal des Heiligen sowie der benachbarten Kapelle mit seinem ursprünglichen Steinsarg. Und dort sehen wir erneut die beiden schwarzen Fahrzeuge mit ihren Insassen, die sich lauthals in der Kirche unterhalten, während Jörg und ich Kerzen anzünden. Kurz darauf sind die Autos wieder weg. Ich habe kein Problem mit Erleichterungen für Pilger mit Handicap und habe eine hohe Toleranz, aber das geht mir zu weit. Das hat nichts mit Pilgern auf dem Jakobsweg zu tun, das ist purer Tourismus.
Genug geärgert. Es gibt gleich ein leckeres Pilgermenü in der ruhigen Abgeschiedenheit der kleinen Herberge von San Juan de Ortega, wo man sich wirklich einmal fallen lassen kann. Das wird sich morgen wieder ändern. Dann geht es nach Burgos. Wir sitzen bei schönem Wetter vor der Herberge und warten auf unser Essen. Die ganze Zeit läuft ein Live-Konzert von Mark Knopfler, natürlich auch „Wild Theme“. Da muss ich unweigerlich an meine Pilgertour auf dem Camino Portugues 2017 denken, als ich beim Blick auf die Ria de Vigo ohne Grund mein Handy rauskramte und genau diese Melodie hörte. Damals hatte das Instrumental irgendetwas hervorgerufen, dass mir Tränen die Wangen runterliefen. Und genau das passiert mir heute erneut. Warum? Keine Ahnung. Es gibt halt Musik, auf die Menschen emotional reagieren. Während wir auf unser Essen warten, laufen immer noch Pilger an der Herberge vorbei. Und es ist jetzt schon 18:30 Uhr. Bis zur nächsten Unterkunft in Agés sind es noch mindestens drei Kilometer. Dorthin sind auch Marion und Uwe gegangen, wir treffen uns morgen in Burgos. Der Besitzer der Herberge war den ganzen Nachmittag mit dem Auto unterwegs und hat hier gestrandete Pilger zu ihren Unterkünften in der Umgebung gebracht.
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27.05.2026: San Juan de Ortega - Burgos (26,3 km)
Zwei Pilger allein auf und neben der Straße
Welch eine Ruhe hier herrscht. Nachdem das Nachbarzimmer mit Geräuschkulisse schon vor 6:00 Uhr geräumt war, beginnen Jörg und ich ebenfalls mit den Vorbereitungen. Ich bin allerdings mit den Gedanken schon drei Wochen weiter in Santiago. Wir haben gestern Abend festgestellt, dass zum geplanten Eintreffen kaum Unterkünfte zur Verfügung stehen. Unser bevorzugtes Haus, das Seminario Menor ist komplett nicht buchbar. Bevor wir losziehen gibt es noch einen Café con leche und ein süßes Teilchen. Um 7:30 Uhr starten wir - für unsere Verhältnisse inzwischen spät. Auf einer einsamen Straße sind wir völlig alleine, die ersten anderen Pilger werden wir erst kurz vor Burgos treffen. Wir wählen eine Variante, die uns später nicht durch das berüchtigte und vor allem nicht schönes Gebiet um dem den Flughafen führt. Zunächst laufen wir aber in die falsche Richtung, lassen uns von einem großen Muschelornament auf der Straße verleiten, anstatt den korrekten Wegweisern zu folgen. Ein Blick auf die digitale Karte zeigt uns den direkten Weg über einen Wiesenweg an weidenden Rindern vorbei zurück auf die markierte Strecke, sodass wir nicht das gleiche Stück retour gehen müssen.
Wir durchlaufen das Dorf Santovenia de Oca und treffen danach wieder auf unsere ständige Begleitung: die N120, eine stark befahrene Straße, auf der unzählige LKW mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahren. Wir laufen zum Glück nebendran auf einem Schotterweg. Nach circa 10 Kilometern finden wir in Ibeas de Juarros die geöffnete Bar Routas Verdes vor und nehmen dort im Freien unser heutiges Frühstück ein. In der Zwischenzeit ist es mir gelungen, in Santiago in der Herberge mundoalbergue drei Übernachtungen zu buchen und im Seminario eine. Das Problem war der 18. Juni, da scheint in Santiago alles dicht zu sein.
Wir laufen weiterhin entlang der N120, müssen dann aber auf eine Alternative umsteigen, da wegen einer Baustelle eine Sperrung des Weges vorliegt. Letztendlich geraten wir bei der Rückkehr auf den eigentlichen Weg trotzdem in die Baustelle. Es entsteht hier auf einer großen Fläche ein Technologiepark. Da dort nicht gearbeitet wird, marschieren wir einfach durch. Schon bald stellen wir fest, dass es aus dem Areal kein Entrinnen gibt, da es vollständig eingezäunt ist - also wieder zurück zum einzigen Zugang. Über einen kurzen Abhang gelangen wir auf einen Fuß - oder Radweg, der allerdings ebenfalls noch gesperrt ist, aber zukünftig DER Weg sein wird. Da uns dort vereinzelt Fahrradfahrer begegnen, lassen wir uns jetzt auch nicht mehr aufhalten, laufen durch das Gewerbegebiet von Castañares und erreichen bald den südlichen Zipfel des Flughafens. Nun sind es noch knapp fünf Kilometer bis zu unserer Unterkunft und jetzt tauchen auch wieder andere Pilger auf, die im Gegensatz zu uns den Hauptweg gewählt haben. Die Route führt schattig entlang des Rio Arlanzón, endlos auf einer Promenade in Richtung Zentrum von Burgos. Ein paar Ecken weiter und wir sind um circa 13:30 Uhr am Ziel.
Wir beziehen unser Domizil für diese Nacht, das Hostel Catedral Burgos. Das Zimmer ist für zehn Personen ausgelegt, doch außer uns haben noch je ein Australier, ein Amerikaner und ein Kanadier hier ein Bett. Kurz darauf melden sich Marion und Uwe, die wir nach der Wäsche an der Kathedrale treffen. Die beiden gehen mit Jörg auf einen Drink in eine Bar und bestaune in der nächsten Dreiviertelstunde die Kathedrale von Burgos im Schnelldurchlauf. Später verabreden wir uns noch zum Abendessen in der Tapasbar Cervecería Morito, die um 19:00 Uhr öffnet. Wir vier sind pünktlichst dort und ergattern einen Tisch im Freien. Es dauert nicht lange, bis alle anderen sieben Tische ebenfalls besetzt sind. Ich bestelle mir eine gemischte Platte mit Morcilla (eine spanische Blutwurstspezialität), Schinken, Kalamares, Piccadillo (eine Hackfleischmischung) sowie Salat und Pommes. Eine gute Portion, alles super lecker und mit 12,90 € sehr preiswert.
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28.05.2026: Burgos - San Bol (26,8 km)
Die Meseta erwartet uns
Wir hatten uns bereits gestern im Zimmer mit den anderen Pilgern abgestimmt, um 5:00 Uhr aufzustehen. Genauso passiert es auch, zwei Leute schlafen zwar noch, aber wir sind so leise, dass keiner aufwacht. Eine Dreiviertelstunde später sind wir schon auf der Straße. Es ist frisch, aber sehr angenehm. Wir laufen noch einmal an der Rückseite der Kathedrale vorbei und verlassen allmählich das noch dunkle und menschenleere Burgos. Das dauert allerdings noch eine ganze Stunde. Unterwegs treffen wir Simone aus Düsseldorf. Wir reden eine Weile miteinander über unsere bisherigen Erfahrungen auf dem Camino, dann zieht sie mit schnellen Schritten von dannen, um sich anderen Pilger vor uns anzuschließen. Wir werden sie heute noch sicherlich ein paar Mal sehen. Eine erste Pause machen wir in Tardajos. In der ersten Bar sieht das Angebot recht übersichtlich aus, sodass wir ein paar Meter weitergehen. Hier freuen wir uns in der Cafeteria Casa de Beli auf ein Boccadillo. Es steht zwar auf der Karte, aber es gibt leider keins. Es muss also eine Tortilla her. Bis dann noch der Stempel in unseren Pilgerausweisen erscheint, dauert es noch eine Weile – die einzige Bedienung hat eher die hungrigen Pilger im Blick als auf einen, der gerne bezahlen und einen Stempel haben möchte. Insgesamt dauert die Frühstückspause viel zu lange, das werden wir zukünftig ändern. Zwei Kilometer weiter halten wir in Rabé de las Calzadas schon wieder an. Das hat allerdings taktische Gründe. Erst zehn Kilometer danach gibt es eine weitere Möglichkeit, etwas Trinkbares zu bekommen. Unsere mitgeführten Wasservorräte wollen wir angesichts der steigenden Temperaturen etwas schonen. Also verdampfen wir im Hostal Fuente de Rabé vier kleine Estrella 0,0 in kürzester Zeit.
Inzwischen hat uns die Meseta vollständig eingenommen. Die weit in der Ferne sichtbaren hellen Wege mit dunklen Punkten, die sich langsam fortbewegen, sind typisch dafür. Links und rechts erstrecken sich riesige Getreidefelder und die Sonne lässt ihre volle Kraft wirken. Über jeden leichten Windzug sind wir froh, ebenso über jeden Strauch oder Baum, der ein wenig Schatten spenden kann. Von einem höher gelegenen Punkt kann man in der Ferne den nächsten Ort am Horizont sehen. Gegen 11:00 Uhr erreichen wir Hornillos del Camino. Die meisten Pilger um uns herum werden hierbleiben und übernachten. Wir machen eine weitere Pause, holen uns in der Rock’n’Roll Bar Casa Manolo ein paar flüssige Vitamine und beobachten, wie eine Gruppe Fahrradpilger von einem Betreuer aus einem Van heraus versorgt werden. Gute Vorbereitung ist halt wichtig. Es sind jetzt noch rund sechs Kilometer bis zur einsam gelegenen Albergue de Arroyo de San Bol, wo wir gegen 13:00 Uhr eintreffen. Jetzt heißt es, eine gute Stunde zu warten, bis geöffnet wird. Die Herberge hat zwölf Betten, liegt mitten in der Natur in einer Senke, ein paar Schritte abseits des Caminos. Es ist eine völlig andere Atmosphäre als in den großen Pilgerunterkünften.
Vor uns ist schon eine Pilgerin aus Süd-Korea angekommen. Das ruft bei mir Bilder von Asiaten hervor. Viele laufen hier fast völlig vermummt herum. Lange Hosen, lange Oberteile, am besten noch die Kapuze vom Hoodie auf dem Kopf. Sonnenbrillen, riesige Schildkappen, Mundschutz und Handschuhe dürfen nicht unerwähnt bleiben. Damit fallen sie schon ziemlich auf und vor allem aus dem Rahmen. Kurz nach uns gesellt sich noch Steve aus Großbritannien zu uns, später noch weitere Koreaner, die allerdings keine Silbe Englisch sprechen. Das stelle ich mir allerdings sehr schwierig vor, so ganz ohne Sprachkenntnisse in einem fremden Land. Wir setzen uns gemeinsam an den kleinen Pool, dessen Wasser eiskalt ist und beim Eintauchen von Füßen und Beinen den gleichen Effekt erzielt wie die Eistonne bei Leistungssportlern. Das passt allerdings, denn auch wir Pilger vollbringen höchste sportliche Leistung. Steve ist besonders mutig und nimmt sogar ein Vollbad. Es ist nicht sein erstes. Vor einer Woche sind wir zwischen Azqueta und Villamayor de Monjardin an der Fuente de los Moros vorbeigekommen. Die Quelle der Mauren ist eine Zisterne, dessen Überbau auf das Jahr 1200 datiert wird und der über eine Doppelbogenfassade zugänglich ist. Von hier führt eine lange Treppe hinunter zum Wasser. Auch dort hat Steve ein Bad genommen, wie er erzählt. Ein Beweisfoto kann er natürlich auch vorzeigen.
Unsere Hospitalera Judit erscheint etwas früher und weist uns unsere Betten zu. Am späten Nachmittag bereitet sie das Abendessen für uns vor - eine riesige Paella, für die sie sich richtig lange Zeit lässt. Darauf freuen wir uns bereits. Ich habe inzwischen unseren Plan aufgrund der Temperaturen gerade im letzten Drittel etwas entschärft und die Streckenlängen angepasst. Vor allem entfällt eine Etappe, die mehr als 30 Kilometer lang gewesen wäre. Nach dem Abendessen im Speiseraum unter der Kuppel des Gebäudes räumt Judit noch auf und lässt uns dann alleine. Schon bald kehrt eine unheimliche Ruhe in der Unterkunft ein, die Müdigkeit hat gesiegt.
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29.05.2026: San Bol - Itera de la Vega (25,3 km)
The Long and winding road
Auch heute geht es wieder früh auf den Camino. Ich habe mal wieder gut geschlafen, ohne konzertante Begleitung. Einen guten Schlafindex hat mir meine Garmin ebenfalls bestätigt. Alle Pilger sind schon früh auf den Beinen. Es zieht sich dennoch etwas in die Länge, da es nur ein Bad gibt, in dem neben dem Waschbecken auch das WC verortet ist. Als eine der ersten sind Jörg und ich aus dem Haus, nur die junge Koreanerin ist vor uns losgezogen. Es geht in der Dämmerung direkt ein wenig aufwärts, hinter uns ist der Horizont aber schon in roten, orangenen und gelben Tönen eingefärbt. Wir brauchen eine gute Stunde bis Hontanas, wo wir in der Albergue Santa Brigida ein kleines Frühstück einnehmen. Draußen wird eine Temperatur von 17 Grad angezeigt, das ist sehr angenehm. Doch es wird wohl heute noch wärmer werden. Als wir aufbrechen wollen, trifft hier gerade Steve ein.
Wir wandern jetzt gemütlich auf einem schmalen Pfad durch ein ausgesprochen grünes Tal entlang des kleines Baches Arroyo del Garbanzuelo, passieren dort eine Ruine. Es handelt sich wohl um die Reste eines Stützpfeilers der Kirche des nicht mehr existierenden mittelalterlichen Dorfes Valdemoro. Dieses Dorf mit seiner dem Heiligen Vinzenz geweihten Kirche und wahrscheinlich einem gleichnamigen Kloster wird 1173 erwähnt, taucht jedoch nicht in den Kirchenbüchern von 1591 - 1594 auf, was vermuten lässt, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen war. Schließlich erreichen wir die imposanten Ruinen des Convento de San Anton. Das Kloster des Antoniter-Ordens wurde im 14. Jahrhundert erbaut, aber schon 1791 aufgelöst. Durch den doppelten Spitzbogen neben der Kirche führte früher und auch heute noch der Jakobsweg. Seit Beginn des Jahrtausends befindet sich hier eine kleine Pilgerherberge und einen Becher Wasser, Obst und einen Snack kann man gegen Spende auch bekommen.
Es dauert rund drei weithin sichtbare Kilometer, bis wir in Castrojeriz sind. Obwohl der Ort nur rund 800 Einwohner zählt, findet man drei Kirchen und braucht rund eine halbe Stunde, bis man ihn durchquert hat. Am Ortsausgang erleben wir eine Überraschung, mit der wir so nicht gerechnet hatten. Ab hier haben wir ständig vor Augen, was uns sehr bald erwartet - nämlich ein circa ein Kilometer langer, sehr steiler Aufstieg, der uns von einer Höhe von 770 Metern auf 920 Meter schwitzen lässt. Der Ausblick von oben ist zwar wunderbar, wir genießen aber noch viel mehr die kurze Trink- und Erholungspause. So steil wie es hochging, geht es jetzt auch abwärts. Wir bemitleiden die Fahrradpilger, die hier mit äußerster Vorsicht auf holprigem Untergrund den steil abfallenden Hang heruntersausen müssen.
In der Ferne, am Ende des sich durch die Getreidefelder schlängelnden hellen Weges, sehen wir die Umrisse eines Foodtrucks, der nur rund drei Kilometer vor unserem Tagesziel Itera de la Vega steht. Und tatsächlich, wir haben uns nicht geirrt. Mit je einer Dose Cola werden noch einmal Energiereserven freigegeben. Wir laufen an der Capilla San Nicolas vorbei, die seit 1994 zur Pilgerherberge umfunktioniert wurde und von einer italienischen Gesellschaft betreut wird. Unmittelbar dahinter befindet sich die Puente Fitero, die mit dem Rio Pisuerga die Grenze zwischen den Provinzen Burgos und Palenca bildet. Ab hier sind es noch knapp zwei Kilometer bis Itera de la Vega. Kaum haben wir den Ort betreten stehen wir um ziemlich genau 12:00 Uhr vor unserer Unterkunft.
Die Aufnahme dauert allerdings noch bis 13:30 Uhr. Die Zeit verbringen wir kurzweilig bei kalten Getränken. Wir erhalten ein Vierbettzimmer mit eigenem Bad. Später soll eine Pilgerin dazugekommen, aber ihr gefallen die beiden verbliebenen Betten nicht und so wird sie wird anderweitig in einem größeren Schlafsaal untergebracht. Oder sind wir etwa der Grund? Wir haben uns bisher noch nicht einmal danebenbenommen. Später gesellt sich Sonja, eine Endvierzigerin aus München, zu uns. Erfreulicherweise möchte sie morgen um 5:00 Uhr aufstehen. Damit ist sie bei uns herzlich willkommen. Später wird das Zimmer noch mit Simone komplettiert, die wir seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen hatten. Um 19:00 Uhr werden wir von Paulina zum Essen gerufen. Es gibt eine Gemüsesuppe, Salat, Pasta mit Tomatensoße. Alles wieder super lecker. Zum Abschluss wird noch ein Eis und ein Schnäpschen angeboten. Diese Herberge hat sich absolut gelohnt.
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Heute mal zu Dritt Staub aufwirbeln
30.05.2026: Itero de la Vega - Villalcázar de Sirga (28,4 km)
Pünktlich um 5:00 Uhr werden wir von Sonjas Wecker daran erinnert, aufzustehen. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir soweit, dass wir aufbrechen können. Sonja ist bereits vor uns gestartet, Jörg, Simone und ich etwas später. Aus dem großen Schlafsaal nebenan ist noch kaum Aufbruchstimmung wahrzunehmen, lediglich ein Pilger hat sich aus dem Raum geschlichen und bereitet sich draußen vor. Unmittelbar hinter der Herberge steht am Straßenrand ein Gerät, dass mit Informationen zum Jakobsweg aufwartet, aber vor allem die durchlaufenden Pilger automatisch zählt. Vor uns waren es erst zwei. Ja, heute gesellt sich Simone zu uns und wird uns bis zu unserem Zielort Villalcázar de Sirga begleiten.
Wie zuletzt wandern wir noch in der Dunkelheit durch Felder. Neben unseren knirschenden Schritten sind lediglich Vögel und die surrenden Bewässerungsanlagen zu hören. Auf einigen Feldern wird bereits Heu geerntet, das in Reihen zum Trocknen zusammengeräumt wurde, bevor es zu großen Ballen gepresst und zu hohen Türmen gestapelt wird. Es erschließt sich mir jedoch nicht, wofür das Heu verwendet werden soll, denn Vieh ist hier weit und breit nicht zu sehen.
Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich jeden Tag etwa drei bis vier Kilometer Wegstrecke benötige, bis ich meinen Rucksack nicht mehr spüre. Zu Beginn eines jeden Pilgertages drückt sich der Hüftgurt feste in den Beckenkamm. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem ich gar nicht mehr spüre, dass ich etwas auf dem Rücken trage. So soll es auch sein. Gegen 7:30 Uhr erreichen wir Boadilla del Camino und machen in der Albergue und Bar En El Camino unsere Frühstückspause. Außerdem treffen wir dort wieder Sonja, die wir eigentlich schon deutlich früher eingeholt haben wollten. Beim deutsch sprechenden Hospitalero bestellen wir alle ein Omelette, dass in einem großen Stück Baguette serviert wird. Auf dem Turm der Pfarrkirche Nuestra Señora de la Asunción sitzen neben einem stolzen Storch ein paar Tauben und gurren vor sich hin. Storchennester findet man hier unzwischen auf jedem Kirchturm und meistens sind bereits Jungvögel zu sehen.
Nach kurzer Zeit landen wir vier am Canal de Castilla. Dieser wurde im 18. und 19. Jahrhundert mit einer Länge von über 200 Kilometern gebaut und auf ihm sollte Getreide bis nach Santander transportiert werden. Wir laufen auf dem Treidelpfad nebenan und verabschieden uns von Sonja, die etwas gemütlicher weiterlaufen möchte. Kurz vor Frómista verlassen wir den Kanal, der durch vier Schleusen einen Höhenunterschied von vierzehn Metern überwindet, und biegen in die Stadt ab. Erneut legen wir eine kurze Trinkpause in einer Bar ein, die von einem Brasilianer geführt wird.
An einer Brücke in Población de Campos müssen wir uns zwischen zwei Wegvarianten entscheiden. Entweder die kompletten verbleibenden zwölf Kilometer an der Seite einer Straße oder alternativ zumindest ein Stück schattiger und ruhiger auf einem Feldweg. Wir entscheiden uns für letztere Möglichkeit. Nach vier Kilometern verlassen wir den endenden Weg schon wieder und schwenken nach Revenga de Campos zur Straßenvariante, auch in der Hoffnung, in der dortangekündigten Bar etwas trinken zu können. Diese hat aber zu unserem Leidwesen geschlossen und der davor platzierte Automat spuckt die eingeworfenen Münzen mit gleicher Geschwindigkeit wieder aus, anstatt ein Getränk zu spendieren. Zum Glück können wir noch auf unsere Wasservorräte zugreifen. Der letzte Abschnitt ist nicht mehr ganz so schön - nur schnurgeradeaus an einer Straße entlang und der immer heißer werdenden Sonne über uns. Schließlich taucht hinter einer leichten Kurve die markante Silhoutte der Iglesia Santa Maria La Blanca von Villalcázar de Sirga auf.
Gegen 13:00 Uhr stehen wir vor unserer Unterkunft Hostal Las Cantigas, trinken aber zuerst einmal zur Erfrischung ein großes Radler. Während Simone für Touristen Fotos schiesst, erhalten Jörg und ich unser Doppelzimmer. Wir stellen zunächst nur unsere Sachen ab und wollen uns von Simone verabschieden, die noch sechs Kilometer weiter bis Carrión de los Condes vor sich hat. Wir setzen uns zu ihr, es gesellt sich noch eine Australierin dazu. Da gerade die Kirche geöffnet ist, nutze ich die Gelegenheit zur Besichtigung. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist ein Vermächtnis der Templer. Schon die schmucken Portale sind beeindruckend, aber auch das eigentlich nüchterne Innere kann sich sehen lassen. Als ich wieder bei den anderen am Tisch sitze, läuft gerade ein Pilger mit seinem Esel an uns vorbei und sorgt dafür, dass fast alle Leute versuchen, ein tolles Foto zu bekommen. Nachdem wir uns von Simone verabschiedet haben, wird es Zeit für eine erfrischende Dusche und eine kurze Ruhepause. Wir sind hier im 160-Seelen-Dorf relativ alleine, nur wenige Pilger übernachten hier. Besonderheit beim Abendessen: als Dessert wird uns unter anderem hausgemachter Flan angeboten. Fazit: beste Entscheidung des Tages, bester Flan ever!
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Auf den Spuren der Römer und die Sache mit dem Wasser
31.05.2026: Villalcázar de Sirga - Calzadilla de la Cueza (23,1 km)
Es ist erholsam, wenn man keine Rücksicht auf andere Pilger nehmen muss und zu zweit alles regeln kann. So auch heute, als Jörg und ich kurz nach 5:00 Uhr wach sind und in unserem Doppelzimmer tun und lassen können, was wir wollen. Eine gute Dreiviertelstunde später stehen wir in unseren Schuhen und mit dem Rucksack auf dem Rücken auf der Straße. Noch ein Foto mit einem Bronzepilger, der an einem Tisch sitzt und einen Becher Wein vor sich stehen hat und los geht es.
Wir sind nach drei Ecken wieder auf der gleichen Straße wie gestern und bleiben auf dem abgetrennten Pilgerstreifen für die nächsten sechs Kilometer bis Carrión de los Condes. Dieses Stück hat Simone gestern noch bewältigt, in der brütenden Nachmittagshitze. Jetzt ist es noch dämmrig und gerade einmal 12 Grad „warm“, links geht der orange gefärbte Mond langsam unter während rechts die Sonne den Himmel in einer ähnlichen Farbkomposition leuchten läßt. Außer uns selbst ist noch niemand unterwegs. Nach einer Stunde erreichen wir Carrion de los Condes und frühstücken in einer Bar España. Auffällig in dieser Stadt sind die zwei Klöster und vier Kirchen, von denen zumindest die Iglesia Santa Maria bereits geöffnet ist.
Inzwischen sind auch andere Pilger zu sehen, allerdings sind an einem ähnlichen Automaten wie in Itero de la Vega bisher nur zwei Fuß- und ein Fahrradpilger gezählt worden. Wir laufen zunächst ein Stückchen weiter entlang einer Straße, um dann auf historischem Grund weiterzukommen. Ein gravierter Hinweis auf einem Granitblock erläutert den originalen Verlauf der von den Römern angelegten Via Aquitana von Burgos nach Astorga. Dort erreichen wir schon bald einen Food Truck und legen eine zweite Pause ein. Wir treffen dort auch den Korenaer mit seinem Neffen. Etwas später läuft auch der Pilger mit dem Esel an uns vorbei.
Ab hier sind es noch gut elf Kilometer bis Calzadilla de la Cueza. Es ist ruhig, der Wind weht angenehm und lässt die bereits angestiegene Temperatur etwas wohliger erscheinen. Wir passieren einen Kilometerstein mit der Angabe 400 - es ist also nicht mehr so weit bis Santiago. Neben den üblichen Feldern finden sich hier auch Sonnenblumen, die aber noch in einem jungen Wachstumsstadium sind und bisher keine Blüten ausgebracht haben. Dafür stehen am Wegesrand unzählige gelbe Doldenblüter, die mit vielen kleinen schwarzen Insekten übersät sind. Meine Neugierde führt zur Lösung, es sind Riesenfenchel.
Jetzt kann es nicht mehr weit sein. Zunächst erscheint ein Glockenturm, der gehört aber zum örtlichen Friedhof. Dann werden allmählich einige Dächer und dann auch Häuser sichtbar. Wir sind im Hostal Camino Real angekommen, und es ist gerade einmal 12:00 Uhr, deutlich zu früh. Wir müssen uns aber noch eine halbe Stunde gedulden, bis wir unser Zimmer beziehen können. Schon beim CheckIn bekommen wir den Hinweis auf mögliche Probleme mit der Wasserversorgung. Das bekommen wir direkt zu spüren. Jörg will duschen, es tropft aber nur leicht. Also: einstellen und warten. Auch der Spülkasten der Toilette zieht nach der Benutzung kein neues Wasser. Zehn Minuten später beginnt er, sich wieder geräuschvoll zu füllen. Das ist das Signal für uns: ab unter die Dusche. Das Wasser reicht gerade für uns beide aus.
Wir haben heute die zweite Woche abgeschlossen, sind bisher 324 Kilometer auf dem Camino Frances unterwegs gewesen. Uns geht es gut, fast keine Beschwerden und keine Ausfälle. So kann es weitergehen.
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Hier geht es weiter zur 3. Woche (folgt demnächst)





















